Niedrige Gasspeicherstände: Bund führt offenbar Gespräche mit Uniper und Sefe
Deutschlands Gasspeicher sind für die Jahreszeit ungewöhnlich schwach gefüllt. Medienberichten zufolge prüft die Bundesregierung deshalb gemeinsam mit den staatlichen Energieunternehmen Uniper und Sefe, wie sich die Vorräte erhöhen lassen – möglichst ohne einen direkten Eingriff in den Markt.

Angesichts steigender Gaspreise sucht die Bundesregierung offenbar nach Möglichkeiten, die deutschen Erdgasreserven vor dem Winter zu vergrößern. Nach Angaben mit der Angelegenheit vertrauter Personen laufen Gespräche darüber, welchen Beitrag die staatlichen Energieunternehmen Uniper und Sefe zur Befüllung der Speicher leisten könnten.
Ein formeller Auftrag, im Namen des Bundes Gas einzukaufen, sei bislang jedoch nicht erteilt worden. Entsprechende Notfallmaßnahmen werden üblicherweise vom deutschen Gasmarktmanager Trading Hub Europe übernommen.
Weitere Beratungen seien für die kommenden Wochen vorgesehen. Die Quellen wollten aufgrund der Vertraulichkeit der Gespräche nicht namentlich genannt werden.
Steigende Preise erschweren die Einspeicherung
Die deutschen Gasspeicher waren bereits nach dem vergangenen Winter weitgehend geleert. Während der Einspeichersaison setzte die Bundesregierung zunächst darauf, dass die Marktteilnehmer die Vorräte eigenständig wieder auffüllen.
Die infolge des Iran-Konflikts gestiegenen Gaspreise haben diese Strategie jedoch erschwert. Kurzfristig verfügbare Gaslieferungen wurden zeitweise teurer gehandelt als Lieferungen für den Winter. Dadurch sank für Unternehmen der wirtschaftliche Anreiz, Gas jetzt einzukaufen, einzulagern und erst in der Heizperiode zu verkaufen.
Speicher nur zu rund 54 Prozent gefüllt
Aktuell sind die deutschen Gasspeicher lediglich zu etwas mehr als 54 Prozent gefüllt. Damit liegt der Füllstand so niedrig wie zu diesem Zeitpunkt seit Beginn der Erfassung im Jahr 2009 nicht mehr. Im Durchschnitt der Europäischen Union sind die Speicher dagegen zu rund 67 Prozent gefüllt.
Netz- und Speicherbetreiber warnen, dass das gesetzlich vorgesehene Speicherziel von etwa 70 Prozent zum 1. November beim derzeitigen Einspeichertempo kaum noch erreichbar sei.
Nach Angaben der Insider erwartet das Bundeswirtschaftsministerium, dass Uniper und Sefe einen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten. Beide Unternehmen waren auf dem Höhepunkt der Energiekrise im Jahr 2022 verstaatlicht worden.
Bundesregierung sieht derzeit keine akute Gefahr
Trotz der niedrigen Speicherstände hat die Bundesregierung bislang auf direkte Markteingriffe verzichtet. Nach ihrer Einschätzung besteht für Deutschland derzeit kein unmittelbares Risiko für die Gasversorgung. Warnungen, wonach die geringen Vorräte bereits eine akute Gefahr für die Energiesicherheit darstellen könnten, wies sie bislang zurück.
Die laufenden Gespräche zeigen dennoch, dass die Bundesregierung die Entwicklung aufmerksam verfolgt und mögliche Maßnahmen für eine stärkere Befüllung der Speicher prüft.